Junge Filmemacher wollen auf die Kinoleinwand

Justin Wild und Jeanine Lang produzieren ihren nächsten Kurzfilm und wollen damit europaweit ankommen.

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Essingen/Stuttgart. Justin Wild und Jeanine Lang sind aufgeregt. Das Laub auf dem Essinger Waldboden raschelt, Vögel zwitschern fröhlich vor sich hin. Plötzlich ertönt lautes Kichern und einige Kinder rennen durch den Wald. Die Kamera läuft. Die Szene wird gedreht, dann noch mal. Justin und Jeanine schauen sich die Aufnahmen auf einem Bildschirm an. Die Szene wird ein weiteres Mal gedreht - so lange, bis die beiden zufrieden sind. Jeanine und Justin wissen genau, was sie wollen. Und das braucht Zeit.

Der Filmdreh ihres neuen Kurzfilms „Abszission“ steht an. Es sind gerade einmal 30 Tage bis zum Einsendeschluss für die Filmschau in Stuttgart. 30 Tage, an denen noch einige Szenen abgedreht, der Film geschnitten, Effekte eingebaut und die Töne angepasst werden müssen. Am Filmset in Stuttgart, Bild: Sebastian Greim

Das Drehbuch hat Jeanine geschrieben. Seit sie denken kann, verfasst sie verschiedene Geschichten und Texte. „Als ich noch zu jung war, um selbst schreiben zu können, habe ich meine Ideen meiner Mama diktiert“, sagt die 20-Jährige. 2018 wurde sie U20-Siegerin im Landeswettbewerb im Poetry Slam.

Jeanine studiert audiovisuelle Medien in Stuttgart. Ursprünglich wollte sie Film studieren, sagt Justin Wild. Und dafür musste ein Bewerbungsvideo her. Da Justin bereits seit er 16 Jahre alt ist Musikvideos dreht und selbst mal Film studieren wollte, schlossen sich die beiden zusammen. Seither haben sie einige Filmprojekte realisiert. Mal fürs Theater, auch mal für die Entwicklungshilfe Govinda. Der jetzige Film ist das zweite größere Projekt.
Die Planung läuft bereits seit einem halben Jahr. Das Kernteam aus Medienprofis und Medienstudenten ist seit vier Monaten involviert und für unterschiedliche Teilbereiche zuständig. Simon Niedermeier beispielsweise ist der Mann hinter der Kamera. Auf seine Meinung zählen die beiden Hobby-Regisseure. Aber zum Team gehören noch mehr: Insgesamt 20 junge Menschen haben hinter der Kamera zu tun.

Zwar verdienen sie mit ihrem Projekt kein Geld, aber kostspielig sei so ein Dreh über mehrere Tage schon, sagt Justin. Finanzielle Unterstützung gibt's von der Kreissparkasse Ostalb. Für die Verpflegung am Set in Essingen sorgt das Rosmarie in Aalen und die Wasseralfinger Löwenbräu sponsert das wohlverdiente Feierabendbier - natürlich nur für die Erwachsenen.

Für den Dreh des ersten Teils im Wald bei Essingen-Tauchenweiler, indem die Hauptdarsteller noch Kinder sind, konnten die Filmemacher Schauspieler aus dem Theater der Stadt Aalen gewinnen. Da muss der Zeitplan sitzen, denn die etwa zehn bis 13-Jährigen sollen rechtzeitig wieder zu Hause sein.

Auch bei den Dreharbeiten zum zweiten Teil in einem Stuttgarter Club scheint alles unter Kontrolle zu sein - auch wenn Jeanine, Justin und die Crew sehr angespannt sind. Immerhin sind hier über 50 Personen beteiligt, die alle koordiniert werden müssen. Rund 30 Komparsen sind in den Club gekommen und machen die Tanzfläche unsicher. Jeanine ist nun selbst die Hauptdarstellerin und überlässt Justin die Regie. Sie könne sich voll und ganz auf ihn verlassen, sagt sie.
Am Filmset in Stuttgart, Bild: Sebastian Greim

Der fertige Film ist später etwa 14 Minuten lang. Die Vorbereitung und der Dreh dagegen nehmen einige Zeit in Anspruch. Allein für die Szenen im Essinger Wald, die später nur ein paar Minuten lang sind, braucht es drei Tage bis alles im Kasten ist. Aber am Ende der Szene sind die glücklich. Klatschen mit den Händen ein und jubeln.

Autor: Janika Debler / Schwäbische Post